Zentraler Bestandteil der Aktionsreihe im Rahmen der Bielefelder Aktionswochen gegen Rassismus waren die eindrucksvollen großformatigen Fotografien von Felix Kleymann. Die Bilder rückten individuelle Fluchtgeschichten in den Fokus und machten das oft
abstrakte Thema Migration unmittelbar erfahrbar. Die Ausstellung bildete den inhaltlichen Rahmen der gesamten Woche und war zugleich Ausgangspunkt für Gespräche, Begegnungen und weiterführende Programmpunkte.
Bei der Ausstellungseröffnung hob Miriam Welz, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld, insbesondere die Bedeutung des Veranstaltungsortes hervor: „Dieser zentrale Platz in der Altstadt direkt in der Nachbarschaft zur Kirche ist für einen Perspektivwechsel gut geeignet. Menschenwürde als demokratischer Wert wird mitten in der Gesellschaft nach vorn gestellt.“ Die Ausstellung verstehe sie zudem als offenen Begegnungsraum, der dazu einlade, sich auf andere Lebensrealitäten einzulassen und Geflüchteten sichtbar einen Platz in der Gesellschaft zuzugestehen.
Auch Ingo Nürnberger, Erster Beigeordneter und Dezernent für Soziales und Integration der Stadt Bielefeld, betonte bei der Eröffnung die Aktualität des Themas. Zwar liege das Jahr 2015, in dem rund 3.400 Geflüchtete in Bielefeld aufgenommen wurden, bereits einige Zeit zurück, Migration bleibe jedoch weiterhin ein zentrales gesellschaftliches Thema. Die Ausstellung eröffne die Chance, die Perspektive der Geflüchteten einzunehmen und ihr Leid sichtbar zu machen. Zugleich würdigte Nürnberger das Engagement der Stadtgesellschaft und die Integrationsleistung der Zugewanderten, die heute zum Wohlstand und Zusammenhalt in Bielefeld beitrügen.
Besonders wertvoll für viele Besucherinnen und Besucher war die persönliche Anwesenheit von Fotograf Felix Kleymann. Über die Vernissage hinaus begleitete er die Aktionsreihe auch an den Folgetagen und kam direkt an seinen Bildern mit Interessierten ins Gespräch. Dadurch erhielten viele einen vertieften Einblick in die Geschichten hinter den Fotografien und konnten Fragen stellen, die im klassischen Ausstellungsbetrieb oft keinen Raum finden. Neben der Ausstellung prägten zahlreiche niedrigschwellige Angebote die Woche. Kurze Sprachimpulse ermöglichten es, sich in fremde sprachliche Situationen einzufühlen, persönliche Fluchtgeschichten schufen emotionale Nähe und authentische Zugänge. Kreative Aktionen wie das Gestalten und Brennen von sogenannten „Würdetäfelchen“, begleitet von den Bielefelder Königskindern, setzten sichtbare Zeichen für Respekt, Vielfalt und Menschenwürde.
Die Aktionsreihe war zugleich ein gelungenes Beispiel für die Stärke städtischer Zusammenarbeit. Veranstaltet wurde „Perspektivwechsel“ vom CityKloster Bielefeld, dem DRK Stadtteilmütter und Rütli, dem AWO Frauenhaus, der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung sowie der Altstädter Nikolaigemeinde. Das enge Zusammenwirken dieser unterschiedlichen Akteure trug maßgeblich zum Erfolg der Woche bei. Die Veranstalterinnen ziehen ein durchweg positives Fazit: Die Aktionswoche habe gezeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt dort entsteht, wo Menschen einander begegnen, zuhören und bereit sind, den eigenen Blick zu hinterfragen. Ihr Dank gilt allen Beteiligten, Mitwirkenden und Besucherinnen und Besuchern, die diese besondere Woche des Austauschs und der Menschlichkeit möglich gemacht haben.
